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THEMA: Roma von Abschiebung bedroht
ORT: Berlin
ZEIT: 2. Oktober 2009
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv / 3424i \

Tausende Roma
von Abschiebung bedroht

Zum Tag des Flüchtlings am 2. Oktober '09 demonstrierten antirassistische und Menschenrechts-AktivistInnen drei Tage lang am Potsdamer Platz gegen geplante Massenabschiebungen von Roma. Vom Berliner Bündnis erhielten wir folgenden Bericht. Vielen Dank dafür.

"BORN TO BE DEPORTATED - ES IST FÜNF VOR ZWÖLF !" Anlass unserer Proteste war die Absicht der Länder-Innenminister, gleich nach den Wahlen damit zu beginnen, alle hier langjährig geduldeten Romafamilien nun auch in den Kosovo abzuschieben! Bisher waren sie wegen der unzumutbaren Sicherheitslage im Kosovo noch vor einer Abschiebung geschützt. Diese hat sich nicht gebessert. Dennoch wurden schon in diesem Sommer vereinzelt Roma mit und ohne Kinder aus Niedersachsen, Ba-Wü, NRW und Hessen in das für sie lebensgefährliche Kosovo deportiert. Ein erster Sammel-Abschiebeflug mit Roma und einer 7-köpfigen Romafamilie aus Meck-Pom wurde bereits einen Tag nach den Wahlen am 28. September durchgezogen! Was den Deportierten danach geschah, darüber konnten die kosovarischen Behörden keine Auskunft geben.
Denn Abgeschobene erhalten im Kosovo keinerlei Hilfen, keine Unterkunft, nichts. Da die lange im Ausland lebenden Roma von ihrem Besitz enteignet wurden oder schon früher alles verloren hatten, und da mehr als die Hälfte der albanischen Mehrheitsbevölkerung selbst arbeitslos ist - die Roma hingegen haben zu fast 100 % keinen Zugang zu Erwerbsarbeit - , sind sie zur Weiterwanderung von Verwandten zu Freunden und in Nachbarländer oder in die Illegalität zurück nach Deutschland gezwungen.
Nach erklärter Absicht der Bundesregierung sollen in den nächsten Jahren 14.000 hier nur geduldete Kosovarinnen, davon ca. 10.000 Roma, abgeschoben werden und das, obwohl die meisten Betroffenen schon 10 oder mehr Jahre hier leben und ihre Kinder hier aufgewachsen sind. Letztere können die albanische Sprache nicht, sie haben nur hier ihre Heimat. Im Kosovo werden sie ausgegrenzt und von jeder Zukunft und würdigen Existenz ausgeschlossen. Sehenden Auges und wie in Verhöhnung der deutschen Genozidverbrechen an ihren Vorfahren, wollen deutsche Politiker/innen die Menschen erneut in Länder deportieren, wo sie Verfolgung, weiterer Vertreibung, Diskriminierung und größtem Elend ausgesetzt sind! (weiter: siehe unten)

 



Fotos: Llanquiray Painemal/heba/Umbruch Bildarchiv
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Die Kundgebung
Zur Eröffnung verbreitete die bekannte Berliner Roma-Blaskapelle Fanfare Kalashnikov eine tolle, in Körper und Beine fließende, die Kälte vertreibende Stimmung!
Schautafeln über die Hetze von Berliner Zeitungen aus dem Frühsommer gegen rumänische Roma - Eu-Bürgerinnen! - , die mit einem Handgeld des linken Innensenats aus Berlin vertrieben wurden, zeigten eindrücklich die geballte Aktualität aller antiziganischen Klischees und Stigmatisierungen von Roma.
Die angereisten Ehemänner, Väter und Söhne von Romafamilien aus verschiedenen Städten Norddeutschlands berichteten über ihre jetzige Situation und zeigten auf Schautafeln Fotos aus der zerstörten sog. Heimat. Einer sagte, er lebe seit 20 Jahren in Deutschland. Nun habe er mit seiner Familie eine Frist zur sog. freiwilligen Ausreise bis zum 31.10.09 bekommen. ab dann müssten sie mit plötzlicher Abschiebung rechnen. Einige Bekannte seien schon in so großer Panik, dass sie nicht mehr in ihrer Wohnung leben. Das heißt, durch die unmenschliche deutsche Politik und ihre rassistische Gesetzgebung würden unzählige Roma, die nur hier ihre soziale und reale Heimat haben, ein zweites Mal in eine lebensbedrohliche Situation vertrieben! Und da viele wüssten, dass dies für sie das Ende jeder menschenwürdigen Existenz bedeutet, tauchten sie schon jetzt unter und werden es in nächster Zeit in größerer Zahl tun.
Das bedeutet: diese Politik sorgt dafür, dass in diesem Land noch mehr Menschen in die Illegalität gezwungen werden. und sie sorgt dafür, im Gegensatz zu ihren angeblichen Zielen, dass im Kosovo durch vermehrte Abschiebungen von Roma die ohnehin großen sozialen Konflikte in der sehr armen Bevölkerung sich weiter zuspitzen, und dass die Roma wieder einmal die Konflikte anderer ausbaden müssen. Die meisten abgeschobenen Roma und Ashkali (albanisch sprechende muslimische Roma) würden nach kurzer zeit Kosovo wieder verlassen.
Damit erzeugt der überall wieder aufflammende und ebenso der deutsche Antiziganismus neue Fakten für das Umherwandern von Menschengruppen, die nirgendwo eine Bleibe finden und eben deshalb immer neu verfolgt, vertrieben, ermordet werden.
Die linke Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke wie der grüne Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele kritisierten ebenfalls diese unmenschliche Politik und versprachen, sich weiter für das Bleiberecht der Roma in Deutschland einzusetzen.
Das Rroma Aetherclub Theater aus Neukölln bekam großen Beifall für seine szenischen Lesungen und Sketche.
Am Sonntag wurde der Flamenco-Tanz der in Berlin bekannten Künstlerin Celia Rojas mit Gitarren-, Violin- und Roma-Bleiberechts-Gesangs-Begleitung auf einem kleinen Lastwagen im (nicht so erwünschten) Beisein stürmischer Winde zum highlight der Kundgebung. Obwohl alles Papierene dem Wind nicht standhalten konnte, unterschrieben viele Menschen am Sonntag zum Kundgebungs-Abschluss:
I do NOT agree with the deportation of roma population from Germany!
denn:
Deutschland ist in besonderer Weise verantwortlich für die Völkermord- Verbrechen vieler unserer Großeltern (z.B. der Wehrmachts-Soldaten in Jugoslawien) an den europäischen Roma. Der überall in Europa wieder grassierende Hass auf die Roma muss gestoppt werden. Er darf sich gerade in Deutschland nicht ausbreiten. Roma, die vor Verfolgung, Verachtung und Existenznot in Deutschland Schutz gesucht haben, dürfen nicht erneut in die Flüchtlingslager und auf die Müllhalden Europas deportiert werden.

Sofortiger Abschiebestop für Roma aus dem Kosovo!
Keine Abschiebung von Roma - Flüchtlingen, nirgendwohin !
Gesichertes unbefristetes Bleibe- und Existenzrecht für Roma in Deutschland als Entschädigung für die Genozid -Verbrechen

B
erliner Bündnis gegen Abschiebungen von Roma

Achtet auf weitere Aktionen und unterstützt die Proteste von Roma, Menschenrechts- und antirassistischen Gruppen!
z.B. könnt ihr gleich den Internet-Aufruf des Niedersächs. Flüchtlingsrats gegen die Abschiebung von Roma per e-mail laden, unterschreiben und abschicken


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