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THEMA: Bildungsstreik
ORT: Berlin
ZEIT: 9. Juni 2010
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv / 261 \

Bildungsstreik - Weg mit dem Schavansinn

Mehrere tausend Studentinnen und Schülerinnen demonstrierten zu Beginn des bundesweiten Bildungsstreiks in Berlin. Insgesamt kamen zwar weniger als in den Vorjahren, dafür hat sich der Protest jetzt schon im dritten Jahr gut organisiert und als ernstzunehmender Widerstandspart etabliert.
Auch in anderen Städten der Republik wurde heute demonstriert. So gingen in Münster 5000 Menschen auf die Straße, in Göttingen rund 2500 und in Köln etwa 2000. In Münster besetzten rund 50 Aktivisten die Bezirksregierung.

"Wikipedia schreibt sich auch nicht von alleine", "Mehr Bildungschancen, weniger Elite", "Schulstreik, weil Schule so nicht bleiben darf", "ABI 2011 - Hartz 2012" "Vom Bildungsstreik zum Generalstreik" stand auf Schildern und Transparenten, die protestierende Schülerinnen und Studentinnen am 9. Juni vom roten Rathaus in Berlin zum Endpunkt vor die Humboldt Uni trugen. Die Stimmung war blendend wie das Wetter. Zur solidarischen Begleitung schlugen Köche vor ihrer Gaststätte mit Kellen auf Töpfe, Bauarbeiter tanzten zur Demomusik auf dem Dach ihres Neubaus und ab und zu streckte sich eine Faust von Passantinnen solidarisch in die Höhe. Vor der John Lennon Schule in Berlin Mitte eine Kundgebung und noch eine am Endpunkt der Demo. Plötzlich stürmten 200 Teilnehmer in eine Seitenstraße und blockierten ein paar Hundert Meter weiter eine Kreuzung. Die um Kontrolle bemühte Polizei hetzte hinterher. " Wir wollen noch außerhalb des normalen Demotrotts etwas Bewegung und Aufmerksamkeit erzeugen." berichtet ein Studentenpärchen. Für die Hälfe der Aktivisten ging es dann im run noch bis zum Axelspringer Haus. Etwas überhitzt unterband die Polizei mit einem Kessel und Personalienfeststellung weitere spontane Überraschungen sportlicher Studentinnen.. (weiter im Bericht: siehe unten)

 



Fotos: Matthias von Hoff/Umbruch Bildarchiv
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Aktueller Hintergrund
Der Einladung vor zwei Monaten von Ministerin Schavan als Reaktion auf die Studentenproteste des letzten Jahres zum Bildungsgipfel folgten Wissenschaftsminister der Länder, Vertreter der Landesrektoren- und der Hochschulrektorenkonferenz sowie Studentenvertreter, um die Probleme bei der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge zu klären. Vertreter des Berliner Bildungsstreikbündnisses verließen unter Protest vorzeitig die Konferenz. Sie wollten Ministerin Schavan mit ihrer Anwesenheit nicht die Politikbühne aufstellen, auf die sie es ihrer Meinung nach hauptsächlich abgesehen hatte. Erfolge durch ihren Wiederstand sehen sie wohl, aber bei ihren Grundforderungen nach mehr Demokratie an den Hochschulen, selbstbestimmtes lernen und den Master für Alle - konnten wir uns bei den Mächtigen nicht durchsetzen, so die Aktivisten.

Zwar soll künftig mehr Geld, 2 Millarden für die Bildung vom Bund an die Länder fließen, aber nach Einschätzung der Studentinnen wird das vor allem von CDU- geführten Länderchefs wieder weggekürzt. Zum Entsetzen der Studierenden wurden aktuell von der sächsischen Landesregierung Einsparungen von 20 Prozent für Mensaessen und das BAföG angekündigt.

Laut European University Association (EUA) mit 850 Mitgliedern aus 46 Ländern der größte Verband europäischer Hochschulen haben Lettland, Italien, Irland, Großbritannien, Estland, Litauen und Rumänien bereits harte Einschnitte für die Hochschulen beschlossen. Mit 48 Prozent Streichung der Ausgaben schon im letzten Jahr und für dieses Jahr geplanten 18 Prozent nimmt Lettland eine Spitzenposition ein. Nur Frankreich mit 30 Milliarden und Deutschland mit 2 Millarden Euro legen etwas dazu. Im europäischen Mittelfeld liegen die Kürzungen im Bereich von 5 % bis 10%. Die nordischen Länder Finnland, Schweden und Dänemark beginnen mit der Einführung von Studiengebühren, bisher ein gesellschaftliches Tabu.

"Der Bologna-Prozess, der eigentlich verstärkte Mobilität und Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen bringen sollte, wird von der EU für die Ziele der Lissabon - Strategie instrumentalisiert", behaupten österreichische und französische Aktivisten. Diese sieht vor, das die EU ab 2010 zum wettbewerbfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt werden soll. Wirtschaftlicher Druck auf die Unis, Anpassung der Lehre an die Wirtschaft und soziale Selektion sehen Studentinnen als Folge. "Wir wollen klar machen, dass es ein anderes Europa gibt, dass sich diesen Veränderungen entgegenstellt und von anderen Werten motiviert ist." - MvH -


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