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THEMA: Antifaschismus
ORT: Greifswald
ZEIT: 14. Januar 2001
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv / 4141 \
 

NPD-Aufmarsch in Greifswald

7000 Menschen kamen zu Protestaktionen

Im November letzten Jahres wurde bekannt, daß der NPD-Kreisverband Greifswald im Januar eine Demonstration veranstalten will. Das war insofern eine besondere Sache, da in Greifswald bis dato noch kein NPD-Aufmarsch stattgefunden hatt (im Gegensatz zu allen anderen Städten in Mecklenburg-Vorpommern) und zusätzlich im letzten Jahr zwei Obdachlose in Greifswald ermordet wurden. Beide Male kamen die Täter aus rechtsradikalen Kreisen. Dementsprechend war die Empörung groß und überraschenderweise fand sich eine breite Front von politischen Gruppierungen (von Antifa bis Universität und CDU) zusammen. Eine große Demonstration unter dem Motto "Aufstehen gegen Menschenverachtung" und ein "Rock gegen Rechts"-Konzert am Abend sollte stattfinden. Inhaltlich den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden war wie zu erwarten schwierig und er fiel entsprechend klein aus. Für viele Leute war schon im Vorfeld klar: lustig Gegendemo machen reicht uns nicht.



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Fotos: Julian/Umbruch-Bildarchiv
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Am 14.1. fanden sich dann rund 350 Nazis am Bahnhof ein. Zu der offiziellen Gegendemonstration kamen, für viele sehr überraschend, über 7000 Leute zusammen (Greifswald hat rund 60.000 EinwohnerInnen). Da diese Demo an keiner Stelle in die Nähe der NPD-Demo langführte, hielten sich viele Menschen in der Nähe der NPD auf. Etwa 50-60 Menschen versuchten, die Strasse zu blockieren, um den Nazi-Aufmarsch aufzuhalten. Die Polizei, sichtlich kopflos und unprofessionell, räumte die Blockade mit einer absolut überraschenden Brutalität. Auch zwei weitere Blockadeversuche einige Meter weiter wurden sofort und brutal abgeräumt. Dabei wurden einige Teilnehmerinnen verletzt und insgesamt zwölf Menschen verhaftet. Von der Reaktion der Polizei überrascht kamen keine weiteren Sitzblockaden mehr zustande und die Nazis konnten ihren Aufmarsch (unter phantasievollem Protest) zu Ende führen. Trotzdem gelang es einigen Leuten noch, Pferdemist auf der Straße zu verteilen.
Im Nachhinein wurde in der regionalen Presse der Tag sehr überbewertet und als grandioser Erfolg gefeiert. Glücklicherweise war die Wahrnehmung der Presse (einige waren beim Polizeieinsatz anwesend) so differenziert, daß die Blockadeversuche als absolut gewaltfrei und der Polizeieinsatz als sehr brutal dargestellt wurde. Auch die offiziellen Veranstalter der Gegendemo distanzierten sich von den BlockiererInnen nicht. Einige Leute von der Kirche organisierten sogar ein Treffen zwischen Betroffenen und verantwortlichen Polizeibeamten. Sehr ergebnisreich war dies Treffen allerdings nicht, da sich die Polizei hinter Gesetzen ("eine angemeldete Demonstraion) muß durchgesetzt werden") versteckte.

Julian (Greifswald)

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