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THEMA: Kampf um Freiräume
ORT: Berlin
ZEIT: 14. Februar 2012
BILDMAPPE: Ablage im Bildarchiv / 653 \

Berlinale: Soliaktion für den Schokoladen

Rund 50 FreundInnen des Schokoladens hielten in den Abendstunden des 14. Februar 2012 auf der Berlinale eine Trauerstunde ab. Gedacht wurde den ehemaligen Projekten in Berlin-Mitte wie dem Linienhof, der Brunnenstr. 183, sowie unkommerzieller und alternativer Kultur im Allgemeinen. Außerdem wurde auf die angedrohte Räumung des Schokoladens hingewiesen, der mittlerweile seit 22 Jahren besteht. TeilnehmerInnen der Aktion verteilten Traueranzeigen mit der Überschrift “Wir sprechen Berlin unser tiefstes Beileid aus zu den furchtbaren Verlusten in seiner Mitte”.
(Dokumentation weiter unten)

Der Schokoladen in Berlin-Mitte soll am 22. Februar geräumt werden. Vom 18. bis 25. Februar findet eine Aktionswoche statt. Treffpunkt am Tag der Räumung: 8 Uhr vor dem Schokoladen, Ackerstraße 169 in Mitte. Aktuelle Infos findet ihr bei schokoladenverteidigen.blogsport.eu

 



Fotos: Andreas/Umbruch Bildarchiv
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Die Traueranzeige, die auf der Berlinale verteilt wurde (als PDF-Dokument auf deutsch - auf englisch)

Wir sprechen Berlin unser tiefstes Beileid aus zu den furchtbaren Verlusten in seiner Mitte!

Seit Jahrzehnten hat Berlin den Ruf einer lebendigen Stadt mit hoher Aktzeptanz für Freiräume, linke Strukturen, Kultur, emanzipative Projekte und Experimente. Generationen heutiger BewohnerInnen sind einst diesem Ruf in diese Stadt gefolgt. Es kamen Kriegsdienstverweigerer und politisch Linke, Punks, MusikerInnen, Schwule und Lesben, KünstlerInnen, Menschen aus Asien, Europa, Afrika, Amerika, und Leute die die Enge der heimatlich-ländlichen Moral nicht ertragen konnten. Berlin hat eine Tradition für Biotope und emanzipative Keimzellen.

Nach der Maueröffnung begann eine zweite Hochphase der Freiräume für alternative Kultur und Lebensformen im Ostteil der Stadt.
Der grosse Leerstand in der Mitte Berlins und die ungeklärten Zuständigkeiten in der Verwaltung schafften die Möglichkeit ohne finanziellen Druck Räume für Projekte zu belegen. Für ein paar Jahre enstand ein El Dorado alternativer Lebensformen. Menschen verschiedenster Herkunft fanden Raum intensiv neue Wege zu entwickeln. Geld spielte nur am Rande eine Rolle. Der unfertige Charme entwickelte einen enormen Sog.

Mit wachsenden finanziellen Problemen der Stadt, die nicht zuletzt durch Korruption und Baufilz verursacht wurden, stieg der kommerzielle Verwertungsdruck mit seinen allseits bekannten Folgen: Steigende Mieten, skrupellose Investoren, Kürzungen im Sozialbereich, Verdrängung und der Versuch alles in bare Münze umzusetzen. Werbeslogans wie "arm aber sexy" oder "sei vielfältig, sei Berlin", waren Ausdruck der Vermarktung, die den Untergang der zitierten Buntheit einleiteten. Dem Kahlschlag sind bis heute nicht nur unzählige linke und kulturelle Projekte zum Opfer gefallen, sondern auch die Mehrheit der Jugendclubs, bezahlbarer Wohnraum, öffentliche Bibliotheken und andere nichtkommerzielle Einrichtungen. Wir wollen nicht, dass unser Lebensraum in lukrative Immobilien umgewandelt wird. Die Fassaden werden poliert, die BewohnerInnen ausgetauscht. Wir halten das für ein Scheiß-Konzept.

Wir haben kein Verständnis für die Sachzwänge der kommerziellen Verwertung.
Wir sind wütend auf die Verantwortlichen und geschockt von ihrer Ignoranz.
Wir kämpfen für das, was für uns Lebensqualität bedeutet.

Wir trauern um Alles und Alle, die schon vertrieben wurden.
Wir trauern um die Möglichkeiten, die uns genommen wurden.
Verhindern wir noch mehr Tod durch Vergoldung..
Wir werden für Freiraum kämpfen, für unfertige Konzepte, für nicht kommerzielle soziale Treffpunkte.
Wir lassen uns nicht erdrücken von Kulissen und glatten Fassaden.
Dies ist unser Berlin, die Stadt der Menschen die darin wohnen.

Für mehr Informationen empfehlen wir:
berlin-braucht-schokoladen.de
mietenstopp.blogsport.de
aktionsbuendnis-der-kuenstler.jimdo.com
gentrificationblog.wordpress.com
wba.blogsport.de
ms-versenken.org
bmgev.de/mieterecho/mieterecho-online.html



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